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Von Feuer, Fesseln und Festen
Eine fragmentarische Geschichte
des Hauses von Dr. Wilfried Katzinger
Als zu Zeiten Kaiser Maximilian
I., des "letzten Ritters", ein verheerendes Feuer
die Stadt Linz in Schutt und Asche legte (1509), wurde das
Rathaus schöner und größer denn je wieder
aufgebaut. Das war auch notwendig, denn die hohen Adeligen
des Landes, die Ritter, die Äbte und Pröbste der
Klöster sowie die Schar der Bürger hielten hier
ihre jährlichen Versammlungen ab.
Selbstverständlich wurde in den Sitzungspausen ausgiebig
gezecht und geschmaust. Hochzeiten wurden gefeiert und von
Zeit zu Zeit mußten die berühmtesten Köche
des Landes ihre Kunst aufbieten, wenn der Kaiser zu Besuch
weilte und im Rathaus feierlich empfangen wurde. Die "Linzer
Torte" z. B. stammt aus dieser Epoche.
In den noch heute erhaltenen Kellern des Hauses, die bis
in jene Zeit zurückdatieren, als der große Hauptplatz
abgesteckt und die Stadt erneuert wurde (nach dem Jahre
1210), lagerten Fässer erlesenen Weines aus der Wachau,
aber auch "welsche" Tropfen aus Italien. Gemessen
wurde nicht nach Bouteillen oder Litern, sondern vom Eimer
aufwärts (=ca. 53 Liter).
Doch nicht nur dem Durst wurde Paroli geboten: in den Gewölben
lagerten Leitern, Wassereimer und Feuerhaken, um eine ähnliche
Katastrophe wie 1509 vermeiden zu können.
Seine eigentliche Bestimmung fand das Haus neben der Verwaltung
und der Gastlichkeit, die ehedem in einen sinnvollen Konnex
zu stehen schienen, im Rat und Gericht. So wurden denn die
Bürgermeister bis 1490 als "Stadtrichter"
bezeichnet. Ihr (Privat)haus war immer auch das Rathaus.
Und meist besaßen sie unser Haus am Platz.
Gesucht wird noch nach dem Verlies, in dem die Gefangenen
schmachteten, bevor sie nach einer Henkersmahlzeit den Pfad
alles Irdischen beschreiten mußten.
Sehr viel später, im 19. Jahrhundert, wurde in unseren
Räumen das k.k. Stadt-und Landrecht mit verschiedenen
Gerichtsinstanzen eingerichtet. Die stark vergitterten Gefängniszellen,
die bis zum Zweiten Weltkrieg belegt waren, befanden sich hofseitig
im ersten Stock.
Verschanzt hinter Bürgermeister, Recht und Gericht
hat sich zu Ende des 18. Jahrhunderts der Geheimbund der
Freimaurer im Haus eingenistet: die Loge "Zu den Sieben
Weisen", der auch ein gewisser Wolfgang A. Mozart, Tonsetzer aus
Salzburg, angehört haben soll.
Besucher des Linzer Rathauses wissen sich historisch betrachtet
in guter und bester, bisweilen auch in fataler Gesellschaft
mit Königen, Kaisern und Fürsten, mit Päpsten,
Präsidenten und Potentaten, Dichtern, Denkern und Diktatoren.
Von Rudolf dem Ersten bis zum Letzten, von Pius II. bis
Paulus VI., von Napoleon Bonaparte bis Adolf Hitler und
von Johannes Kepler zu Adalbert Stifter und Anton Bruckner
bis zu Ihnen!
In diesem geschichtsträchtigen
und natürlich denkmalgeschützten Haus befindet
sich seit dem Jahre 1997 das Wirtshaus Keintzel.
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